Die unheilige Dreifaltigkeit

Die dunkle Seite der Macht existiert und es gibt kaum einen „Star Wars“ Film, in dem nicht ein Jedi in Versuchung figure-2785406_1920 geführt wird, auf die dunkle Seite zu wechseln. Es gibt kaum eine Sage, ein Märchen, eine Legende, indem nicht der Held oder die Heldin der dunklen Seite der Macht begegnet und sie besiegen muss.

Coaches und Trainer, Psychotherapeuten und inzwischen auch viele Führungskräfte sind humanistisch geprägt und auf Win-Win sozialisiert. Viel zu selten wird darüber aufgeklärt, dass es auch einige Menschen gibt, mit denen auf diese Art und Weise einfach nichts zu machen ist. Meist fällt es uns erst auf, wenn das Spiel schon eine ganze Zeit läuft und es fast schon zu spät ist.

Der dunkle Dreiklang ist ein Phänomen, das in der Psychologie noch gar nicht so lange bekannt ist. Erst in den letzten 10 Jahren wurden die Persönlichkeitsmerkmale Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie als Teil dieses Persönlichkeitskonstrukts definiert. Die Psychologen Paulhus und Williams waren die Ersten, die diese Persönlichkeitskonstruktion erforschten. Ihnen gelang es zu zeigen, dass es sich um drei verschiedene Eigenschaften handelt, die aber oft zusammen auftreten. Wer hoch narzisstisch ist, neigt auch dazu starke psychopathische oder machiavellistische Züge in sich zu tragen.

Narzissmus zeichnet sich durch eine ausgeprägte Anspruchshaltung und Selbstüberhöhung aus. Wer hier hoch punktet, giert nach Bewunderung und reagiert empfindlich auf Kritik, weil sie den eigenen Selbstwert in Frage stellt.

Menschen mit einer hohen Ausprägung in Machiavellismus sind vor allem Manipulatoren. Durchsetzungsstark und ohne Mitgefühl für andere. Der Zweck heiligt die Mittel. Und so stellt der Machiavellist seine eigenen Regeln auf und geht gerne über die Grenzen anderer hinweg. Der „Machiavelli für Manager“ war in den 90iger Jahren ein sehr beliebtes Buch und auch heute greifen Jungmanager gerne noch auf machiavellistische Strategien zurück. Es gibt auch einen „Machiavelli für Frauen“, in dem unter anderem geschickt eingesetztes Weinen und Dramatisieren als Strategie empfohlen wird. Was bei Berufung auf Machiavelli gerne vergessen wird, ist, dass Niccoló Machiavelli sein Werk „Il Principe“ nachdem er Folter überlebte, all seine Ämter verloren und die Verbannung zu beklagen hatte, in nachvollziehbarem Frust schrieb. Als Vorlage der Beschreibung des Fürsten, diente ihm unter anderem Cesare Borgia der uneheliche Sohn Papst Alexander VI . Seinen Zeitgenossen galt Cesare Borgia vielfach als Tyrann, der für seine Skrupellosigkeit im Umgang mit seinen Gegnern berüchtigt war.

Die Psychopathie ist die dunkelste dieser drei Facetten. Kaltherzig, impulsiv und angstfrei. Das macht Psychopathen besonders risikobereit. Die Furcht vor Konsequenzen und Reue ist ihnen fremd.

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Den Kern dieser Mischung aus den drei Persönlichkeitstypen bildet das, was Psychologen eine niedrige soziale Verträglichkeit nennen: Rücksichtslosigkeit, eine Tendenz zur Täuschung und der Unwille, sich an Regeln oder moralische Prinzipien zu halten.

 

Menschen dieser Prägung stellen ihre Ziele grundsätzlich vor das Wohl anderer. Und nach aktueller Forschung sind etwa 93 % der Menschen schon einmal Opfer eines Machtspiels geworden.

Obwohl jedes dieser Persönlichkeitsmerkmale in unterschiedlichem Ausmaß sozial unerwünscht ist, sind diese Personen sehr erfolgreich. Sie lassen sich nicht nur in der Arbeitswelt finden, sondern genießen auch in der Partnerwerbung große Erfolge. Besonders Narzissten ziehen durch ihre Fassade des Erfolgs und Selbstbewusstseins anfangs Bewunderung und Ehrfurcht an. Eine anfängliche Aufwertung ihres Gegenübers gehört zu ihrer erfolgreichen Kommunikationsstrategie. Sie versorgen andere mit Komplimenten und Wohlgefühlen.

 

Sie hören gut zu, zeigen scheinbares Interesse an ihrem Gegenüber. Das dient jedoch nicht der Empathie, sondern lediglich dazu vermeintliche Schwachstellen zu finden. Psychopathen wirken zunächst dinosaur-2777930_1920erfrischend, anziehend unbelastet, problemfrei, souverän und unkompliziert. All das sind Eigenschaften, die dazu beitragen, die Warnmechanismen beim Gegenüber auszuschalten und in die Falle zu tappen. Passend, wenn man in diesem Zusammenhang in der Forschung auch gerne von sozialen Raubtieren spricht.

Ihre Beziehungen sind geprägt vom Streben nach persönlichen Gewinn. Ein echtes Interesse an anderen Menschen besteht nicht. Mitmenschen werden als Lieferanten für Bewunderung instrumentalisiert. Die Fähigkeit zur nutzbringenden Kommunikation fällt Menschen dieser Prägung leicht. Gnade Gott allerdings jemandem, der sich in den Weg stellt. Die Fähigkeit so veranlagter Menschen Konflikte rücksichtslos zu betreiben, übersteigert die Möglichkeiten der normalen Bevölkerung oft bei weitem und überrollt im normalen Alltag bewährte Verteidigungsstrategien.

Zwei Aspekte machen die Identifizierung dieser dunklen Dreifaltigkeit zu einer Herausforderung:

  1. handelt es sich um Persönlichkeitsmerkmale, die in jedem Menschen in irgendeiner Form vorhanden sind
  2. macht die ausgeprägte Manipulationsfähigkeit der Merkmalsträger es schwer, die Realität einzuschätzen

Die Fähigkeit, andere Menschen zu manipulieren, in die Irre zu führen und zu instrumentalisieren, ruft selbst bei erfahrenen Psychiatern, Psychologen und Coaches wenig Begeisterung hervor und birgt ein großes Risiko in die Falle zu tappen. Grund genug also, sich eingehender mit der dunklen Seite der Macht auseinander zu setzen. Denn so kann man frühzeitig verhindern, diesen Persönlichkeiten auf den Leim zu gehen. Geschäftlich und Privat.

 

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