Die Welt in Zeiten des Materialismus

Diese Woche ist auch bei uns ein Tornado durchgezogen. Ich war gerade mit dem Auto unterwegs und hatte das Seitenfenster einen Spalt auf. Auf einmal, wie aus dem Nichts, prallte eine Regenfront, wie ich sie bisher noch nie erlebte auf das Fenster und ich im Innenraum war klitsch nass. Aufgrund der heftigen Regenmengen, war an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken. Solche Vorfälle häufen sich nun auch in unseren Breiten. Weltweit wüten verheerende Waldbrände. Sterbende Wälder. Wütende Orkane. Vergiftete Böden. Die Katastrophenmeldungen überschlagen sich zur Zeit derart, dass es einem fast den Atem nimmt, wenn man noch nicht vollends abgestumpft ist. Vieles davon ereignet sich nicht mehr nur in der dritten Welt, sondern zunehmend in unserer nahen Umgebung.

In früheren Generationen trafen die Menschen eher auf Probleme, die sie in der Natur vorfanden – ungünstige klimatische Bedingungen, unfruchtbare Böden, Raubtiere als natürliche Feinde des Menschen. Heute treffen wir jedoch auf Probleme, die überwiegend durch den Menschen verursacht sind. Und auf die die Natur antwortet.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem, für das der Mensch heute gefordert ist, Lösungen zu entwickeln.

Auch unser Finanzsystem ist stark in der Krise. Wir leben ein Wirtschafts- und Finanzsystem, das sich längst von seinen Goldstandards verabschiedet hat. Unser Geldsystem ist ein Fiatgeldsystem – also ein Geld OHNE inneren Wert. Zudem leben wir in einem Wirtschaftssystem, in das eine Exponentialkurve eingebaut ist – wir nennen das Zinseszins. Die Auswirkungen eines exponentiellen Wachstums auf unser Gesamtsystem und die daraus resultierenden Geld- bzw Schuldmengen kann sich der menschliche Geist schlecht vorstellen. Ein System, das so aufgebaut ist, hat immer nur eine ganz begrenzte Halbwertszeit. Gut erklären kann man dieses Phänomen anhand des Josefpfennigs.

Somit kann man durchaus voraussagen, dass der Crash 2008 noch nicht das Ende der Fahnenstange war. Es treibt nicht nur einzelne Menschen sondern auch ganze Staaten in die Überschuldung. Auch das konnten wir in den letzten Jahren erleben.
Nicht nur zu der Umweltproblematik, der Klimaveränderung, der Verschmutzung der Weltmeere und der Ausbeutung der ärmsten Regionen dieses Planeten, sondern auch zu unserem Geldsystem hat sich der Club of Rome bereits kritisch geäußert.

Eine ähnliche Rede, wie sie Greta Thunberg in den letzten Wochen in New York hielt, wurde bereits 1992 von Severn Suzuki in Rio gehalten.

 

Und last not least der Mensch selbst. Nie in der Geschichte der Menschheit verbrachten Menschen, darunter bereits Kinder, mehr Zeit in geschlossenen Räumen als heute. Nie in der Menschheitsgeschichte arbeiteten Menschen – TROTZ aller technischer Errungenschaften – so viel wie heute. Zweit- und Drittjobs beider Elternteile sind keine Seltenheit mehr. Nie war die Burn-out-Rate und die Zahl der psychischen Erkrankungen so hoch wie heute.

Da stellt sich doch ganz allgemein die Frage: Was läuft da schief?

Was ist passiert mit der Menschheit, dass sie sich und das Leben auf diesem Planeten an den Rand des Abgrunds gebracht hat?

Eine der Ursachen, liegt im Weltbild des modernen Menschen. Seit einigen Jahrhunderten herrscht in der westlichen Welt, das Weltbild des Materialismus.
Im allgemeinen Sprachgebrauch verstehen Menschen darunter lediglich ein ganz auf materielle Interessen, Besitz, Reichtum und ein auf Luxus ausgerichtetes Leben. Ohne Zweifel wird auch das von einer materialistischen Philosophie genährt.

Die materialistische Philosophie selbst, leugnet alle spirituellen Realitäten. Der Materialismus geht von der Grundannahme aus, dass es nur Materie und sonst nichts gibt.

Das naturwissenschaftliche Glaubensbekenntnis des Materialismus [1] lautet:

1. Alles ist mechanischer Natur. Tiere sind nicht etwas lebende Organismen mit ihren ganz eigenen Zielsetzungen, sondern komplexe Mechanismen. Auch Menschen sind Maschinen, in Richard Dawkins lebendiger Ausdrucksweise sogar „schwerfällige Roboter“. Ihre Gehirne sind wie genetisch programmierte Computer
2. Materie besitzt grundsätzlich kein Bewusstsein. Sie hat keine Innerlichkeit, keine Subjektivität, keine Ansichten. Auch menschliches Bewusstsein ist pure Täuschung, vorgespiegelt vom stofflichen Geschehen im Gehirn
3. Die Gesamtheit der Materie und Energie ist immer gleich (der Urknall ist die einzige Ausnahme)
4. Die Naturgesetze stehen ein für alle Mal fest. Sie sind heute so, wie sie von Anfang an waren und für immer sein werden
5. Die Natur kennt keine Absichten. Evolution ist ohne Richtung und Ziel
6. Biologische Vererbung ist ausschließlich materieller Natur, vermittelt wird über das genetische Material, die DNA und andere materielle Strukturen
7. Der Geist, unser Denken und Fühlen sitzt im Kopf und ist nichts weiter als Gehirnaktivität
8. Erinnerungen sind als materielle Spuren im Gehirn gespeichert und werden beim Tod gelöscht
9. Unerklärliche Phänomene wie Telepathie sind reine Einbildung
10. Mechanistische Medizin ist die einzig wirksame Medizin

Und wenn man dies alles auf sich wirken lässt, so wundert es nicht, dass ein von seiner Natur getrennter Mensch, einer Natur wenig Achtung entgegen bringt.

Diese Vorannahmen durchziehen viele Bereiche unseres Lebens. Auch die Psychologie hat sich mit den Jahren immer mehr vom Menschen entfernt. Was das „Innenleben“ des Menschen betraf galt als individuell, nicht messbar und auch nicht weiter wichtig. Wissenschaftlich galt nur noch, was messbar und wiederholbar war. Die Statistik hielt Einzug.

Vielen Wissenschaftlern ist nicht bewusst, dass auch der Materialismus eine bloße Vorannahme ist.

Der Philosophische Bereich des Materialismus beschreibt, dass alles Sichtbare und Greifbare aus Materie besteht. Sogar Gedanken und Gefühle und das Denken selbst sind materiell. Und damit ist auch hier, alles, was nicht direkt mess- und greifbar ist, quasi nicht existent. Aus materialistischer Sicht ist demnach auch Liebe lediglich ein hormoneller Cocktail und eine Kopfgeburt.

So zog das materialistische Weltbild auch in unser Selbstbild als Mensch ein. Wir trennten uns von der Multidimensionalität des Menschen. Also Körper- Geist – Seele. Geist und Seele fasste der Materialismus zusammen und siedelte beides alleine im Denken an. So blieb am Ende nur noch der Körper übrig, den wir behandeln als sei er eine Maschine. Es gilt, die richtige Methode zu finden. Den richtigen Knopf zu drücken und alles läuft wie geschmiert. Das Feinstoffliche (was einige Religionen Gott nennen) haben wir aus unserer Wahrnehmung verbannt. Auch unsere Kirchen haben ihr eigenes dazu beigetragen. Die eigene Schöpferkraft und das spirituelle des Menschen wurde nach außen getragen – also von ihm getrennt. Die Kirchen nannten es Gott. Wir sprechen in der Beziehung zwar von einem „lieben Gott“, doch vermittelt wurde ein strafender Gott.

Erst die integralen Wissenschaften begannen wieder, sich mit der Ganzheit zu beschäftigen. Die Natur des Menschen wieder zu integrieren und für eine ganzheitliche Wahrnehmung zu sorgen.

Das Problem das der Materialismus verursachte, ist nicht der Materialismus selbst, sondern lediglich die Tatsache, dass er als einzig gültige Wahrheit (monistisch) verstanden wurde.

Wenn man das Thema Materialismus auf den Tisch bringt, wird sofort innerhalb der eigenen Denkmuster die Kategorie des Kapitalismus eröffnet, dessen Gegenpol der Kommunismus ist. Was nicht gesehen wird, ist, dass diese beiden Richtungen den gleichen Ursprung im Materialismus haben.

Wenn wir uns dieser Einseitigkeit bewusst werden, dann können wir beginnen etwas zu verändern. Nimm mit, was dient und lass los, was schadet. So könnten nicht nur Wissenschaften wesentlich spannender gestaltet werden, auch das Geldsystem könnte gesunden und mit ihm der Mensch und seine Verbundenheit mit der Natur – der eigenen und der um ihn herum.

Quellen
[1] Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn

 

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Make that Change

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