Du bist was du denkst

In meinen integralen NLP Ausbildungen beschäftigen wir uns auch lange mit Sprache. Besser gesagt mit der Wirkung von Sprache auf unser Gehirn, unsere Emotionen und unser Verhalten.

Lasse einfach einmal folgende Worte auf dich wirken:

AlterFrames

Kostendruck

Leistungsgesellschaft

Survival of the fittest

Altersarmut

Chancengleichheit

Leistungsträger

Steuerlasten

Stress

Druck

Ungewissheit

Ressourcenknappheit

Konkurrenzdruck

 

Na, wie geht es dir? Irgendwie lösen diese Worte unbewusst negative Gefühle in uns aus. Dabei sind es doch nur Worte die da stehen.

In Worten steckt jedoch viel mehr als wir glauben. Um Wort zu begreifen, aktiviert unser Gehirn ganze Schaltkreise abgespeicherten Wissens: Bewegungsabläufe, Gefühle, Gerüche oder visuelle Erinnerungen. Diese Dinge simuliert es gedanklich, um Worten eine Bedeutung zuschreiben zu können.

Wann immer unser Gehirn Worte und Ideen verarbeitet, aktiviert es dazu Wissen und Sinnzusammenhänge aus unseren Erfahrungen mit der Welt. Wir begreifen also Worte, indem unser Gehirn körperliche Vorgänge abruft, die mit diesen Worten assoziiert sind.

In der Kognitionswissenschaft nennt man dieses Phänomen Embodied Cognition also verkörperte Kognition.

Und doch lernen wir immer noch, Menschen seien rationale Wesen. Sie könnten vernunftgesteuert handeln, wenn man nur alle relevanten Fakten auf den Tisch legt, könnten sie diese objektiv abwägen und entscheiden.

Doch mit diesen Vorstellungen hinken wir den Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft hinterher und verfehlen die Chance uns intensiver mit der Sprache und ihrer Wirkung zu beschäftigen.

Worte – oder genauer gesagt über Worte abgerufene Frames (Rahmen, Gerüst, Gestalt) – haben nicht nur unsere Denken und unsere Wahrnehmung, sondern auch unser Handeln fest im Griff.

Erforscht wurde die Wirkung von Frames in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine davon wurde 1996 mit Studenten durchgeführt. Man wollte herausfinden wie das Konzept von Langsamkeit über Sprache in unseren Köpfen aktiviert werden könnte. Man gab einer Gruppe einen Text zu lesen, die an einen alten Menschen denken ließen. Dazu gehörten Begriffe wie: alt, sentimental, grau, vergesslich, Rente, faltig.

Worte, die direkt mit Geschwindigkeit zu tun hatten, wurden in dem Text vermieden. Es galt ja herauszufinden, ob das Aufrufen von Frames vom Alter reiche, um Probanden nicht nur an Langsamkeit denken zu lassen, sondern auch noch ihr eigenes Handeln zu verlangsamen.

Eine andere Gruppe bekam einen in dieser Hinsicht völlig neutralen Text.

Nachdem der Text gelesen und einige für die Studie völlig irrelevanten Fragen beantwortet worden waren, sagte man den Teilnehmern, das Experiment wäre beendet und sie könnten gehen. Tatsächlich wurde das Experiment erst an dieser Stelle spannend. Die Teilnehmer mussten um aus dem Gebäude zu kommen, einen Korridor entlang gehen und die Treppe nehmen. Heimlich erfassten die Versuchsleiter nun, wie schnell oder langsam sie diese Strecke zurück legten.

Und tatsächlich brauchten die Studenten, die Begriffe gelesen hatten, die ein hohes Alter implizierte, deutlich länger als die Versuchsteilnehmer, die den neutralen Text lasen.

Eine ziemliche Brisanz erhalten solche Experimente, dass dadurch festgestellt wurde, dass Menschen nicht – ganz entgegen dem herkömmlichen Mythos – aufgrund von Faktenlagen sondern aufgrund von sinngebenden Frames ihre Entscheidungen treffen.

Und das in allen Bereichen ihres Lebens: Sozial, ökonomisch, politisch – und dies generell nicht einmal wahrnehmen. Nur geschätzte 2 Prozent unseres Denkens sind bewusste Vorgänge.

Beobachte dich einmal selbst, in welchen Frames du gerne denkst. Das kann schon ein erster Schritt zu Bewusstwerdung und damit zur Veränderung sein.

 

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