Weiterbildung in der VUCA Welt: Was muss Weiterbildung heute leisten?

Kurz und knapp beantwortet: Entwicklung – hin zu einer reifen Persönlichkeit.

training-3185170_1920Weiterbildungen sind in der heutigen Zeit leider immer noch sehr systematisch aufgebaut. Menschen beginnen „unwissend“ und erwarten, von „Wissenden“ (also Lehrern, Trainern, Dozenten) Wissen zu erhalten. Das geschieht oft über Vorträge, Vorlesungen oder auch darüber, dass Lernende sich über Fachliteratur ein Thema erarbeiten müssen. Ein Dozent erzählt und die Lernenden hören zu, lernen auswendig und rufen das Wissen wieder ab. So ganz allmählich füllen sich die Köpfe der Unwissenden mit immer mehr Wissen und am Ende der Weiterbildung sind sie selbst zu Wissenden geworden und geben ihr Wissen an andere Unwissende weiter.

Solche Vorstellungen von Lernen sind veraltet und überholt.

Wissen besteht nicht aus Zahlen, Daten, Fakten, das in unserem Kopf wie auf einem Computer bereit liegt und nur darauf wartet, abgerufen zu werden. Gehirne kann man nicht mit Informationen füttern. Kompetenz entsteht nicht durch ein einfaches Abrufen von Fachwissen. Lehren bedeutet nicht, anderen beizubringen, wie sie „Das Gelehrte“ „richtig“ umsetzen. Wirkliches Lernen ist immer etwas defizitär und füttert nicht mit „Fertiggerichten“ und „Bildungs-fast-food“ , sondern lädt ein, sich mit den Themen auseinander zu setzen, sich zu entwickeln, etwas selbst zu entwerfen. Wirkliches Lernen lädt ein zu forschen, zu spielen, zu erfinden und daraus eigene – passende – Kompetenzen zu entwickeln.

Und das ist genau das, was wir für die Zukunft brauchen werden

  • Als Coach
  • Als Trainer
  • Als Führungskraft
  • Als Unternehmer
  • Als Eltern
  • Als Mensch
  • Als Lehrer

Wir alle merken es: Unsere Welt verändert sich. Sie verändert sich an vielen Stellen gleichzeitig und manchmal schneller als uns lieb ist.

Das Akronym VUCA beschreibt genau die Herausforderungen, die unsere stets verändernde Welt für uns bereit hält

VUCA steht für

  • Volatilität / Veränderlichkeit
  • Unsicherheit / Ungewissheit
  • Komplexität
  • Ambiguität / Mehrdeutigkeit

Niemand kann mehr voraussagen, wie sich etwas verändern wird. Sicher ist nur, dass sich etwas verändern wird. Dass wir als Menschen auf Veränderungen reagieren müssen, ist absehbar. Wir müssen heute lernen uns auf Aufgaben und Situationen vorzubereiten, die wir noch gar nicht kennen und die wir erst dann erkennen werden, wenn sie bereits eingetreten sind. Das gilt für uns privat ebenso wie in Unternehmen. Das betrifft unser Leben, unsere Arbeit, unser Geld, unsere Kinder, unser allgemeines Wohlbefinden.

Kurz: Wir müssen zukunftsfähig werden.

Auf gleichbleibende Herausforderungen können wir mit Wissen, festgelegten Strategien und Strukturen reagieren. Um jedoch unbekannte Herausforderungen zu bewältigen, brauchen wir Fähigkeiten, uns schnell an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Das erfordert eine neue Denk- und Arbeitsweise auf allen Ebenen.

Der unternehmerische Fachbegriff dazu nennt sich Agilität.

Die Biologie nennt es einfach Evolution.

Es überlebte die Art, die sich am besten an verändernde Umstände anpassen konnte. Nicht im Sinne von „Das Darwin und die Finken Bildmüssen wir jetzt aushalten“ oder „Survival of the fittest und die beißen wir jetzt alle weg“ sondern im Sinne von „Was machen wir jetzt daraus – wie kommen wir weiter?“

Klassisches Fachwissen, gelernt, auswendig gelernt und reproduziert, reicht dazu nicht mehr aus. Wissen ist das, was man schon weiß. Entwicklung ist ein sich auf etwas vorbereiten, das man noch nicht weiß – also Neues erarbeiten.

Klassische Wissensvermittlung über Vorträge egal in welcher Form – einer spricht, der Rest hört zu und lernt das child-392971_1920Gehörte auswendig, damit er es abrufen kann, wird für die Zukunft nicht mehr greifen. Das gleicht, dem Bild mit dem Blumentopf: Wir können Wasser reinfüllen, was die Erde in dem Topf jedoch nicht aufnehmen kann, gibt sie nach unten wieder ab.

 

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat das schön zusammengefasst

Er sagte:

Gesagt            bedeutet nicht          gehört,

gehört             bedeutet nicht          verstanden,

verstanden     bedeutet nicht          einverstanden,

einverstanden bedeutet nicht          gemacht,

gemacht          bedeutet nicht          beibehalten,

beibehalten     bedeutet nicht          Erfolg gehabt.

Jane Loeviger entwickelte mit mehr als 40 Jahren Forschung, ihre Theorie der Ich-Entwicklung und fand heraus, dass persönliche Entwicklung in einem Prozess abläuft und sich in Stufen abbildet. Keine der Stufen kann übersprungen werden. Eine wirkliche Entwicklung integriert die vorhergehenden Stufen. Das ähnelt auch sehr dem Modell von Spiral Dynamics

Menschen können sich in zwei Richtungen weiter entwickeln. Horizontal – damit werde sie immer besser in ihrem TransformationFach. Um bei dem Modell der Stufen zu bleiben: Die Stufe wird immer wieder gefegt. Der, der diese Stufe fegt, wird zum Meisterfeger. Er erlangt immer mehr Wissen, über die Anwendung von Reinigungsmitteln und Bohnerwachst und weiß, wie es am schnellsten und effektivsten anwendbar ist. Er hat Strategien zur Reinigung entwickelt und ist, was sein Geschäftsmodell betrifft immer auf dem neuesten Stand. Die Stufe ist zwar sauber und glänzt, die ganze Treppe hat er jedoch nicht im Blick.

Der Harvard Professor Robert Kegan befasst sich lange mit Loevingers Theorien und erkannte einen Unterschied beim Lernen in In-Formation und Transformation. Bei der Information wird lediglich immer wieder neuer Inhalt in ein Gefäß gefüllt. Das Gefäß selbst bleibt gleich. Bei der Transformation verändert sich das Gefäß – es wird größer, Lernen gelangt auf eine andere Ebene.

Gregory Batesons hat Lernen in 4 Stufen unterteilt:

Die erste Ebene ist die Inhaltsebene, die am häufigsten gelehrt wird. Es sind die kleinsten Teile eines Kontextes, wie zum Beispiel das Einmaleins, Teile der Grammatik, Rechtschreiben oder Schnürsenkel binden.

Die zweite Ebene des Lernens befasst sich mit dem Kontext oder mit dem „Lernen, wie man lernt“. Z.B. welchen Stellenwert hat das Einmaleins im Kontext Mathematik oder Rechtschreiben im Kontext der deutschen Sprache. Die zweite Ebene des Lernens beschäftigt sich also damit, wie sich Einzelteile in einem großen Rahmen (Kontext) einfügen und wie Lernen mit Hilfe der Einzelteile eine Ganzheit ergibt. Menschen die auf dieser Ebene lernen, haben rasch eine Überblick und können schnell und effektiv neue Inhalte zu einem bestimmten Kontext erfassen und erlernen.

Auf der dritten Ebene des Lernens werden kontextbezogene Muster erkannt und erfasst. Diese Lerner können leicht Strukturen in jeder Erfahrung erkennen. Hier wird die Frage gestellt: Was ist der Unterschied, der den Unterschied macht? Das ist sehr typisch für NLP

Die vierte Ebene des Lernens ist nach Bateson jene, die Yogis, Schamanen und Zen-Meister erreichen. Es ist die Ebene der Spiritualität, der Verbindung und Integration von rationalem und intuitiv-kreativem Denken.

Klassisches Lernen durch Lernen der Ebene Eins, maximal noch Ebene Zwei, vermittelt zwar viel Wissen,  verändert aber nicht Denken und Verhalten. Viele Firmen (analog für alle anderen) wollen zwar Transformation erreichen, machen das aber mit Mitteln der Information. Die Mind-Behavior-Gap wird größer.

Eine Transformation befähigt Menschen, ihre eigene Identität auszubilden, persönlichkeitskomplex zu werden. Lese dazu auch den Artikel in der aktuellen Ausgabe von Spektrum

Menschen, die stark genug sind, mit unterschiedlichen Positionen umgehen zu können, die sich von festen Vorstellung lösen können und multiperspektivisch werden. Solche Menschen fordern und fördern Co-Kreation. Führungskräfte (=Menschen, die mit Menschen arbeiten), die sich selbst in ihrer eigenen Persönlichkeit transformiert haben, sind in der Lage diese Fähigkeiten auch bei anderen zu entwickeln. Es entsteht ein Co-Creation-Leadership. Das heißt natürlich, die Führungskraft selbst hat sich weiter entwickelt, ihr eigenes Gefäß erweitert, sich mit sich auseinander gesetzt, ihre Konfliktfähigkeit entwickelt. Sie fördert die Diskussionsbereitschaft, die bewussten Gegenpositionen, die Kreativität und die Feedbackbereitschaft.

  • Sie haben mit einer eigenen höheren Entwicklung ein besseres Verständnis für Emotionen
  • Sie besitzen eine höhere Kompetenz für Führung
  • Für sie ist Macht kein Dominanzverhalten sondern Einflussnahme und Selbstmanagement, die es braucht, Dinge zu verbessern
  • Sie können mit Komplexität umgehen und genießen die Unterschiedlichkeiten, die Menschen in ihrer eigenen Kompetenz einbringen können
  • Sie sind wesentlich früher handlungsfähig, da sie wissen, dass Veränderung zum Leben gehört
  • Und last not least, sind sie selbst weniger anfällig für Belastungen

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