„Wir haben so viele Arbeitsgerichtsprozesse und Konflikte in der Firma“

Mit genau diesen Worten begegnete mir ein Unternehmer im Laufe einer langen Telefonakquise. Dieser Unternehmer buchte dann im Laufe dieser Gespräche ein Coaching und ein langfristiges Seminar, um genau daran etwas zu verändern.

Und so nach und nach wurde mir bewusst, dass das Problem nicht wie von ihm vermutet, bei seinen Mitarbeitern liegt, sondern eher bei ihm zu suchen ist.

Zu den Coachingterminen kam er, oder auch nicht. Sagte kurzfristig ab. Die Rechnung war nicht bezahlt. Und im Training verhielt er sich ähnlich: Den Teilnehmern wurde geschmeichelt ohne Ende. Trainingstermine wurde kurzfristig nicht wahrgenommen – aus fadenscheinigen Gründen. Handy und Whatsapp waren dauerhaft zugegen – er dafür etwas weniger anwesend.

Mir wurde darüber sehr bewusst, woran Führung scheitert und was das mit Zuverlässigkeit zu tun hat.

Unzuverlässigkeit macht mit uns allen etwas. Wir möchten uns auf jemanden verlassen können und zählen darauf, dass Versprechen auch eigehalten werden. Nun diese Anforderungen hatte er:  An alle anderen. Selbst lieferte er jedoch nicht.

Wer Zuverlässigkeit von anderen erwartet, muss jedoch auch liefern. Führen durch Vorführen.

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann vertrauen wir Menschen, die halten, was sie versprechen. Wer ständig redet, sich aber konträr zu seinem Reden verhält, dem bringen wir wenig Vertrauen entgegen.

Virginia Satir nennt so etwas inkongruente Botschaften senden. Gesagt wird das eine, getan das andere. Wir mögen zwar häufig gerne glauben, was uns erzählt wird, doch die Handlungsebene löst in uns Gefühle aus: Verwirrung, Enttäuschung, Verunsicherung, Misstrauen.

Häufige Synonyme für Zuverlässigkeit sind deshalb auch Loyalität, Sicherheit und Klarheit, aber auch Glaubwürdigkeit und Beständigkeit. Und das heißt Worte müssen sich auf der Handlungsebene wieder finden. Beides muss zusammen passen.

 

Wird in der Führung nur nach den besten Worten gesucht, dann läuft Führung schief. (Dazu auch mein Artikel über den Mythos Kommunikation).

 

Und dabei reicht es nicht, einmal zuverlässig zu sein. Wer denkt, dass er sich Zuverlässigkeit als Dauerzustand einmal erarbeiten kann und dieser dann über Jahre gilt, liegt schief. Zuverlässig ist man oder man ist es nicht – immer wieder neu.

Betreffender Unternehmer beschwerte sich über seine Mitarbeiter, dass Rückrufe nicht stattfinden würden, Termine nicht eingehalten. Tja wo kommt das her? Kunden beschweren sich, auf seinen Sozial-Media-Profilen über das Gleiche.

Menschen möchten gesehen, angenommen und ernst genommen werden.

Woran erkennt man mangelnde Zuverlässigkeit?

Genau daran:

Vereinbarte Termine werden verschoben oder kurzfristig abgesagt. Das heißt eigentlich: Deine Zeit ist mir nicht wichtig. Ein Spiel mit der Zeit ist ein enormes Statusspiel. Ein Zeitspiel ist ein Machtspiel.

Nette Worte und die Handlungsebene spricht eine andere Sprache. Blicke darauf, wie sich jemand verhält, nicht was er erzählt. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ steht eigentlich schon in der Bibel.

Lerne Prioritäten zu setzen. Klar ist das reizvoll sich immer alle Optionen offen halten zu wollen. Unsere Welt ist auch zu verführerisch. Doch auf Dauer erzeugt das eine ganze Menge Stress. Treffe klare Entscheidungen für das, was dir wichtig ist. Und jedes Ja für etwas, ist auch ein Nein gegen etwas anderes. Wer nicht Nein sagen kann, bei dem frage ich mich selbst sehr oft: Welche Qualität hat dessen Ja?

Halte Vereinbarungen ein und sprich Differenzen an. Ein Geschäftsmann, der seine Verhandlungen nicht führen kann, Rechnungen ungeklärt offen lässt, Vereinbarungen nicht einhält sendet eindeutige Signale. Das setzt auch das trainieren von Konfliktfähigkeiten voraus (und was genau das ist, darauf werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen).

Auch Lügen und Manipulationen zeugen von großer Unzuverlässigkeit. Bleibe bei der Wahrheit. Wenn du versprochen hast, jemanden zurück zu rufen, es aber vergessen hast, dann stehe dazu und rede dich nicht über „Ich hab dir auf den Anrufbeantworter gesprochen“ heraus. Früher oder später kommt sowas raus.

Und: Kommuniziere. Und zwar direkt. Auch das ist so ein Trend der Neuzeit, der sich manchmal sogar in Erfolgsratgebern wieder findet…..Zeit verstreichen lassen, um bei dem Gegenüber ein Gefühl von „Vielbeschäftigt“ oder „Der ist wichtig“ zu erzeugen. Das ist gequirlter Schwachsinn – Sorry. Halte deine Versprechen und reagiere. Je mehr Zeit du verstreichen lässt, umso mehr Ärger erzeugst du bei deinem Gegenüber. Und das schafft Konflikte, die genau genommen zu vermeiden wären, würden sich Menschen an einfache Grundregeln, die im Prinzip der Anstand schon vorgibt, halten.

Was Führung betrifft: Kein Mitarbeiter lässt sich vollständig auf ein Unternehmen ein, wenn er nicht vertrauen kann. Er wird sich absichern, Dienst nach Vorschrift machen und bestmöglich versuchen Risiken und damit Fehler zu vermeiden.

Führung beginnt immer mit Selbstführung. Und damit endet sie auch.

Und das heißt für Unternehmer: Sei ein Fels in der Brandung und kein Fähnchen im Wind.the-sea-3025268_1920

Genau deshalb ist Persönlichkeitsbildung so wichtig. Wichtiger als die Suche nach den passenden Worten. Wer sich keine Zeit für das Wesentliche nimmt, dem nimmt irgendwann das Wesentliche die Zeit. Und das Wesentliche ist gerade dann, wenn man die Verantwortung für Menschen hat, zunächst die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

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